Die Mittelbayerische Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 14.4.03

Wege zum schlau sein
Warum intelligente Kinder nicht vom Himmel fallen
von Dagmar Obermeier MZ

REGENSBURG. Ist unser Kind intelligent? Sicherlich stellen sich fast alle Eltern diese Frage bereits während der ersten Lebensjahre ihres Kindes. Was ist, wenn es nicht so gescheit ist wie seine Altersgenossen, wenn es in der Schule scheitert? Müssen wir das als gottgegebenes Schicksal hinnehmen?
"Nein", sagt die Lernberaterin Theresia Pristl. "Kluge Kinder fallen nicht vom Himmel", lautete denn auch der Titel ihres Vertrags, den sie anlässlich des ersten "Schlauen Donnerstags" in der Kreuzschule hielt. Ein Kind werde dann klug, wenn es auf geistiger und körperlicher Ebene die richtige Erziehung erhält, wenn es seine Anlagen entfalten kann, in seinen Schwächen Förderung und in seinen Stärken Unterstützung erfahre.
Klug ist der, der mit sich selbst und mit seinen Mitmenschen gut zurecht kommt, der seine Gefühle zulassen und aushalten kann, der seine Aufgaben bewältigt, der zufrieden, hilfsbereit und erfolgreich ist, Enttäuschungen akzeptieren kann und an ihnen wächst. Um dies zu erreichen, so Theresia Pristl, sollte man das Kind loben, und zwar nicht erst für den Erfolg, sondern bereits für die Bemühungen. Es muss außerdem spüren, dass es für seine Eltern und Erzieher wichtig ist. Gerade dies sei eine "enorme Motivation", sich anzustrengen. Wichtig sei außerdem, dass das Kind lernt, ein guter Freund zu sein. Denn: "Menschen, die Freunde haben und auch halten können, sind nicht allein".
Die Bedeutung von Selbständigkeit erläuterte Theresia Pristl an einem Beispiel. Als die fünfjährige Louisa mit dem Fahrrad stürzt, eilt die Mutter nicht sofort herbei und hebt die Tochter auf, sondern sagt: "Steh auf, du kannst das." Das Kind muss mühsam sein Bein unter dem Rad hervor ziehen, mehrere Versuche aufzustehen, scheitern. Wenn es dann aber endlich wieder auf dem Rad sitzt, habe es gelernt: "Wenn ich falle, kann ich selber wieder aufstehen".

Theresia Pristl zeigt Eltern
kinesiologische Körperübungen.
Foto:mdo

Die Beherzigung dieser Erziehungsratschläge ist aber allein nicht ausreichend. Weil schon die alten Römer wussten, dass nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnen kann, ist es wichtig, dem Körper die gleiche Aufmerksamkeit zu widmen. "Die kindliche Bewegungswelt ist bei uns zur Sitzwelt geworden", bedauerte Theresia Pristl und erklärte, welch wichtiger Zusammen- hang zwischen geistiger und körperlicher Fitness bestehe. Um zu unterstreichen, dass kinesiologische Körperübungen die Aktivierung beider Gehirnhälften bewirken können, forderte sie das Publikum zum Mitmachen auf. "Das Gleichgewicht ist eine wesentliche Voraussetzung für mentale und psychische Stabilität", betonte sie. Yoga, Fingerspiele, Jonglieren mit Tüchern, aber auch Raumerfahrungsspiele wie "Blinde Kuh" tragen dazu bei ein gutes Körpergefühl und damit ein Gefühl für sich selbst und andere zu entwickeln.
Der "Schlaue Donnerstag" vom Elternbeirat und dem Förderverein der Kreuzschule ins Leben gerufen, soll künftig in loser Folge Informationsabende für Eltern zu aktuellen Themen bieten. Die Termine sind im Internet unter www.schulseiten.de/kreuzschule abzurufen.