Die Mittelbayerische Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 03.03.10

Die Viertklässler bei der Rollstuhlsportstunde
Foto: Heinrich

Sport im Rollstuhl
SCHULE Viertklässler machten neue Erfahrung

In einer "Rollstuhlsportstunde" konnten sich die Kinder der Kreuzschule spielerisch in die Lage von Rollstuhlfahrern versetzen. Die Hälfte der Schüler der 4c saß im Rollstuhl. "Rollstuhlfahrer" traten gegen "Fußgänger" an. Der Verein "SG BeNi" hatte die Sache organisiert; er will Barrieren zwischen Behinderten und Nichtbehinderten abbauen. Der zehnjährige Ferdinand, der einzige Rollstuhlfahrer der 4c, hatte die Veranstaltung angeregt.

Soweit der Beitrag auf der Juniorseite, weiter war im Lokalteil zu lesen:


Bewegung auf Rädern -
eine besondere Erfahrung für alle


Die Viertklässler der Kreuzschule hatten Spaß bei der "Rollstuhlsportstunde" mit Ulrike Wittl (Bildmitte)
Foto: Heinrich

SCHULE In einer "Rollstuhlsportstunde" konnten sich die Viertklässler der Kreuzschule spielerisch in die Lage von Rollstuhlfahrern versetzen.

VON SEBASTIAN HEINRICH, MZ

REGENSBURG (mz). Kinderlachen, laute Zurufe, quietschende Turnschuhsohlen auf dem Hallenboden: Die Geräusche waren die einer ganz normalen Sportstunde in einer Grundschule. Umso außergewöhnlicher der Anblick: Die Hälfte der Schüler der 40 saß am Montag im Rollstuhl. Die Klasse nahm geschlossen an einer "Rollstuhlsportstunde" teil, bei der in verschiedenen Spielen jeweils "Rollstuhlfahrer" gegen "Fußgänger" antraten.
Hinter der Veranstaltung steht der Verein "SG BeNi", dessen Ziel es ist, über den Sport die Barrieren zwischen Behinderten und Nichtbehinderten abzubauen. Mitglied ist auch der zehnjährige Ferdinand, der einzige Rollstuhlfahrer der 4c. Auf seine Anregung und dank Klassleiterin Gertrud Pelanda kam die Sportstunde zustande.
Das wichtigste Ziel der Veranstaltung sei es, nichtbehinderten Kindern spielerisch zu vermitteln, was es bedeute, im Rollstuhl zu sitzen, erklären die Übungsleiterinnen Ulrike Wittl und Steffi Feuerer. Bei einem Spiel müsse jeweils ein Kind im Rollstuhl auf eine Turnmatte fahren. Das sei eine Situation, in der ein Behinderter Hilfe brauche, sagt Feuerer, die selbst im Rollstuhl sitzt. Das Kind merke bald, dass dieses scheinbar kleine Hindernis für einen Rollstuhlfahrer nur mithilfe eines anderen Menschen überwunden werden könne. Somit würden den Kindern einerseits die Probleme klar, mit denen Behinderte konfrontiert seien. Ihnen werde aber andererseits auch gezeigt, wie sie bei ihrer Lösung helfen können.


Wittl würde sich wünschen, dass solche Stunden häufiger an Regensburger Schulen stattfinden. Das wäre ihrer Meinung nach ein Beitrag zur Integration körperlich behinderter Kinder in Regelschulen, die sie für sehr wichtig hält: "Schließlich sind die Kinder ja geistig topfit." An der Kreuzschule fehlt laut Rektorin Gabriele Seifert aber leider das Geld dafür. Für regelmäßige "Rollstuhlsportstunden" reichten die Mittel des Haushaltes derzeit leider nicht aus.
Die Kinder der 4c wären jedenfalls die ersten Befürworter Wittls. "Es macht Spaß, weil wir sehen, wie es für den Ferdinand ist, mit dem Rollstuhl zu fahren", sagt der neunjährige Florian. Ferdinand selbst ist auch begeistert: "Das gefällt mir sehr gut heute. Wäre schön, wenn die Stunde noch mal stattfinden würde!" Hilfe bei der Integration benötigt er aber scheinbar nicht. Florian berichtet, dass es in der Klasse höchstens Streit darum gibt, wer ihn schieben darf.


VEREIN SG BENI
  • Das Kürzel SG BeNi steht für "Sportge- meinschaft Behinderter und Nichtbehinderter an der Universität Regensburg e.V."
  • Ziel des Vereins ist es, durch gemeinsamen Sport Behinderte und Nichtbehinderte einander anzunähern und Behinderte zu integrieren.
  • Der Rollstuhl ist dabei das wichtigste Sportgerät. Behinderte und Nichtbehinderte üben gemeinsam verschiedene Sportarten wie Rollstuhlbasketball, Rollstuhlbadminton oder Rollstuhltennis.
  • Kontakt: l. Vorsitzender Florian Stangl
    E-Mail: stangl@sg-beni.de