Die Mittelbayerische Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 11.07.11


Erika Eichenseer zog die Kinder mächtig in ihren Bann.
Foto: Kreuzschule

Wie sich der "Roßzwifl" in einen Prinzen verwandelte

BILDUNG Erika Eichenseer stellte in der Kreuz- schule die Märchen von Franz Xaver Schönwerth vor. Die Kinder waren begeistert und forderten Zugaben.

REGENSBURG. Erika Eichenseer, Beirätin in der Schönwerth-Gesellschaft, fand bei der Beschäftigung mit dem 1810 in Amberg geborenen Oberpfälzer Franz Xaver von Schönwerth eine große Schachtel, die sich als wahre Schatzkiste entpuppte. Enthielt sie doch über 500 Sagen, Märchen und Geschichten. Diese, so erzählte sie jüngst den Kindern der Kreuzschule, habe Schönwerth in der ganzen Oberpfalz zusammengetragen und eigenhändig aufgeschrieben. Dazu auch noch in feinst säuberlicher Schrift - was bei vielen Kindern sofort größte Hochachtung hervorrief.
Nach der Durchsicht und Lektüre aller dieser Texte gab sie das Buch "Prinz Roßzwifl" heraus, das sie in die Kreuzschule mitbrachte und den Schülern von der ersten bis zur vierten Klasse vorstellte. Sie las aber nicht daraus vor, sondern zog die Kinder in ihren Bann, indem sie ihnen die Geschichten und Märchen über Hexen, Prinzen und Prinzessinnen, Teufel, arme Bauern und Zwerge auswendig und sehr lebhaft vortrug.
In der bunten Ecke der Schule konnte man eine Stecknadel fallen hören, so aufmerksam lauschten die kleinen Zuhörer, als der Mistkäfer, der in der Oberpfalz eben Roßzwifl heißt und den meisten eher als Skarabäus bekannt sein dürfte, sich zuerst in ein Flugzeug und dann auch noch in einen Prinzen verwandelte. Natürlich heiratete er die arme Tochter aus Dankbarkeit, dass sie ihn nicht zertreten, "net derdatscht", hat.

Natur im Vordergrund

Diese Achtsamkeit der Natur gegenüber, erklärte Eichenseer, sei einzigartig bei den Schönwerth-Märchen und den Oberpfälzern hoch anzurechnen. So fuhr sie auch gleich mit der Geschichte von dem Schneider fort, der eine Baumrinde verletzte und deshalb schlimmen Leiden mit spitzen Nadeln und heißen Bügeleisen ausgesetzt war, bis er demütig Besserung gelobte.
Ganz besonders den Buben gefiel die Geschichte vom "Wundervogel", in der zwei Bettelknaben auf dem Pausenhof der Kreuzschule (!) mit Goldstücken schusserten. Aus den beiden armen, aber ehrlichen und pfiffigen Knaben wurden später ein reicher Mann und ein König. Die Mädchen freilich freuten sich im "Prinz Roßzwifl" über die tröstliche Aussicht, dass nicht immer der ansehnlichste Freier der beste ist und man sich da nur nicht täuschen lassen sollte.

Wiederholung versprochen

Im Nu waren die beiden Vormittage vergangen und alle Zuhörer, ob groß oder klein, waren hellauf begeistert. Die Zugabenrufe und der Applaus bestätigten dies. Erika Eichenseer versprach, gerne wiederzukommen, als ihr der kleine Sam aus der ersten Klasse versicherte, so schöne Geschichten habe er noch niemals in seinem Leben so schön erzählt bekommen