Die Mittelbayerische Zeitung berichtete in ihrer Wochenendausgabe vom 02./03.07.05

Schüler lernen von Behinderten
Ein ereignisreicher Tag mit Wasserschnecken und Riesenmuscheln

Von Carolin Kober, MZ

ALTSTADT. Benedikt kennt alle Fische, die im Thalmassinger Feuchtbiotop beheimatet sind. Die Erst- und Zweitklässler der Kreuzschule sind beeindruckt, denn Benedikt, Schüler der Werkstufe an der Bischof-Wittmann-Schule, ist geistig behindert. Der Kontakt der Kreuzschüler mit den behinderten Jugendlichen soll Berührungsängste abbauen.

Klassenleiterin Johanna Schmidt unterrichtete selbst zehn Jahre an der Bischof-Wittmann- Schule. Mit ihrer ehemaligen Kollegin Ulrike Schön-Nowotny, die die Schüler der Werkstufe unterrichtet, betreut sie integrative Projekte mit behinderten und nicht-behinderten Kindern, beider Schulen. Eines davon war der Besuch im Thalmassinger Biotop, wo die Jugendlichen der Bischof-Wittmann-Schule, die dort jeden Dienstag arbeiten, die Kreuzschüler durch die Teichlandschaft führten und ihnen die artenreiche Tier- und Pflanzenwelt erklärten.
"Der Benedikt hat soviel gewusst und uns alle Karpfenarten erklärt", sagt Julius (1b). Sebastian habe dagegen komische Geräusche gemacht. So erlebten die Kinder der Klassen 1b und 2c mit ihren Lehrerinnen Johanna Schmidt und Christa Schmidbauer einen ereignisreichen Tag mit Wasserschnecken, Riesenmuscheln, Entengrütze und vielen Fischen. "Gut gefallen hat mir das Mühlrad, das die behinderten Kinder angemalt haben", sagt Rosi (1b). Doch nicht nur das, auch der Wasserspielplatz, der von der Werkstufe gestaltet wurde, fand große Zustimmung.

Die Kreuzschüler waren beeindruckt vom Wissen der geistig behinderten Jugendlichen der Bischof-Wittmann-Schule.       Foto: privat

"Alle haben von dem Besuch profitiert", erklärt Schmidt. Die Kreuzschüler erlebten die geistig behinderten Jugendlichen als Menschen, die über detailliertes Wissen verfügen. "Außerdem haben sie gelernt, dass es eben nicht selbstverständlich ist, gesund zu sein, und dass auch Behinderte wollen, dass man normal mit ihnen umgeht", fügt Schmidbauer hinzu. Auf der anderen Seite könnten die Bischof-Wittmann-Schüler in einer Führungsrolle Selbstbewusstsein aufbauen und Verantwortung lernen. Anfänglich haben die beiden Klassenlehrerinnen eine gewisse Zurückhaltung und Unbeholfenheit bei ihren Schützlingen beobachtet, doch später hätten sie die Behinderung gar nicht mehr beachtet. "Unser Ziel ist, dass die Kinder auch später mit den Behinderten natürlich umgehen und nicht verunsichert reagieren. Wir wollen Verständnis aufbauen", erklärt Schmidt.

U M F R A G E

"Der Benedikt hat uns durch das Biotop geführt. Aber obwohl er an der Förderschule ist, hat er ganz viel über Fische gewusst", sagt Stefanie aus der Klasse 2c nach dem Besuch. Besonders faszinierend fand die Achtjährige die braunen Wasserschnecken, von denen manche rund und andere spitz seien.
Ein bisschen anders waren die Jugendlichen schon, aber Thomas ist froh, dass ihm Konstantin eine Wasserschnecke gezeigt hat, die er sonst vielleicht gar nicht selbst entdeckt hätte.
"Der Sebastian konnte nicht reden. Immer wenn er sich gefreut hat, hat er geschrien", sagt Sophia.
Die behinderten Kinder würden ihre Freude eben anders ausdrücken, aber wichtig sei, dass sie sich freuen. Besonders lustig fand die Achtjährige die Futterröhre im Aquarium: "Immer wenn ein Fisch mit der Nase dran gestoßen ist, hat er was zu fressen bekommen."