Die Mittelbayerische Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 22.12.04

Gewusst wie: Mit Technik und
Köpfchen zu mehr Sicherheit

Kinder der Kreuzschule absolvierten Selbstschutzprogramm "Kids Pro!"

REGENSBURG (mtk). Bernhard packt Matthes an den Haaren. Der versucht, sich aus dessen Griff zu befreien, versetzt ihm einen gezielten Schlag. Bernhard und Matthes gehen beide in die 4. Klasse der Kreuzschule. Was zunächst aussieht wie eine Rauferei, findet jedoch nicht morgens auf dem Pausenhof statt, sondern am späten Nachmittag im Klassenzimmer vor gut einem Dutzend Mitschüler und Kinderschutztrainerin Monika Kutsch. Im Laufe von vier Wochen haben die Grundschüler gelernt, sich selbst zu verteidigen und sich in brenzligen Situationen zu behaupten. "Kids Pro" heißt das Projekt, "über das die achtjährige Dorothea am letzten Kurstag sagt: "Jetzt weiß man, wie man's macht. Da kann man sich halt schon wehren."
Vor vier Jahren hat Projektleiter Andreas Busche in Neufahrn mit dem Präventions- programm begonnen. Als Karatelehrer merkte er, dass immer mehr Eltern ihre Kinder zum Karate schickten, weil sie dachten, dass die Kinder dort auch lernen, sich zu. verteidigen. Also entwickelte er ein Selbstschutztraining, das er und sein Team inzwischen in, ganz Süd- und Ostbayern durchführen. Die Organisation an Schulen läuft meist über den Elternbeirat; im Kurs, der pro Kind auf etwa 45 Euro kommt, ist auch ein Elterntraining inbegriffen.
Dinge, die selbstverständlich scheinen, werden den Kindern im Kurs bewusst gemacht. Zum Beispiel: Was ist ein Fremder? Bernhard weiß darauf gleich eine Antwort: "Sie sind auch fremd für uns", sagt er zur MZ-Reporterin. "Unsere Trainerin ist an der Grenze zwischen fremd und nicht mehr fremd." Da hat einer aber gut aufgepasst!
Matthes berichtet, was man tunlichst lassen sollte: "Man soll nicht zu nah an ein fremdes Auto ran gehen", und Dorothea ergänzt: "Und keine Schokolade oder so was von Fremden nehmen."


Kinderschutztrainerin Monika Kutsch erklärt den Kindern, wie sie sich in gefährlichen Situationen verhalten können.
Foto: Krumbholz
Laut und bestimmt wehren
Im Stuhlkreis ertönen wiederholt einfache, prägnante Sätze wie "Lassen Sie mich los!" oder "Nein, ich mag nicht!". Die Kinder sollen lernen sich laut und bestimmt zur Wehr zu setzen. Monika Kutsch liefert praktische Hilfe für Alltagssituationen. "Was machst du, wenn du alleine zu Hause bist, das Telefon klingelt und der Anrufer fragt nach deinen Eltern?" Ratlos und unsicher schauen sich die Viertklässler an. Spontan hätte wohl jeder geantwortet: "Die sind nicht da. Ich bin allein daheim." Doch gerade das soll man ja nicht tun. Besser: "Die können gerade nicht ans Telefon."
Auch wenn Matthes sich durch das Training nicht unbedingt viel sicherer fühlt, zieht er doch ein positives Resümee: "Es hat Spaß gemacht." Wohl auch deshalb, weil er nun Verteidigungstechniken mit so klangvollen Namen wie "Sandwich" und "Schmetterling" zusammen mit Bernhard ausprobieren kann.