Die Mittelbayerische Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 29.10.09


Ganz schön peinlich war's für viele Fahrer.
Foto: lla

Die Kinder sagten "Stopp!"

AKTION Am Nonnenplatz gab's "Strafzettel"

Für die Kinder der Kreuzschule ist das nicht schön: Eigentlich könnte der Platz vor ihrer Schule ein sicherer Ort sein. Aber viele Auto- und Motorradfahrer scheinen immer noch nicht zu wissen, dass auf dem Nonnenplatz Fahrverbot besteht - außer für Ärzte oder Taxifahrer. Manche sind wohl auch zu bequem. Jetzt haben die Kinder "Stopp" gesagt. Gemeinsam mit der Polizei haben sie selbstgemachte Strafzettel und saure Bonbons an die "Falschfahrer" verteilt. Beim nächsten Mal gibt's allerdings echte Strafzettel.


Soweit die Juniorseite, weiter im Lokalteil war zu lesen:



Schüler strafen Falschfahrer
mit saueren Bonbons ab


AKTION Kreuzschule verteilt mit der Polizei
selbstgemachte Strafzettel an Verkehrssünder,
die über den Nonnenplatz steuerten.

VON ANGELIKA LUKESCH, MZ

REGENSBURG. Es gibt schon extrem unangenehme Situationen für einen Autofahrer. Wenn er zum Beispiel beim Befahren einer für Autos gesperrten Straße erwischt wird. Noch peinlicher wird es, wenn die Polizei schon dasteht. Schulkinder selbstgemalte Strafzettel und saure Bonbons verteilen und die "Übeltäter" fotografiert und mit der Kamera aufgenommen werden. So geschehen gestern früh zwischen halb acht und viertel nach acht Uhr morgens am Nonnenplatz bei der Kreuzschule.

Fahren dürfen nur Arzte oder Taxis
Der Elternbeirat unter dem Vorsitz von Daniel Paluka hatte zusammen mit Beamten der PI 3 (Jakobstor) und unter Federführung des Polizeipräsidiums Oberpfalz eine spektakuläre Aktion organisiert. Sie sollte den Autofahrern klar machen, dass man auf dem Nonnenplatz nicht fahren darf. Der Platz kann von der Wollwirkergasse sowie vom Stahlzwingerweg aus erreicht werden. Doch hier herrscht, vor allem wegen der anliegenden Kreuzschule, eine besondere Vorschrift: Der Platz ist ein so genannter kombinierter Geh- und Radweg. Das Fahren mit Autos ist nur Ärzten, Taxis und Lieferanten oder Handwerkern erlaubt - und auch diese dürfen nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren.

Peinliche Momente für die Fahrer
Oft ist aber die Bequemlichkeit zu groß: Viele Autofahrer ignorieren das Fahrverbot und nutzen den Nonnenplatz als Abkürzung. Die meisten Fahrer sind Eltern, die ihre Kinder vor der Schultüre abliefern. Es sei unglaublich, dass viele Eltern den Kindern nicht einmal ein paar Schritte zu Fuß zumuten wollten, sagte um acht Uhr früh ein Polizeibeamter ärgerlich. Gemeinsam mit fünf Kollegen und den Kindern der Klasse 3a hielt er die "schwarzen Schafe" auf. Die Kinder sind von der Aktion überzeugt: "Ich finde das schon gut, dass wir das machen", sagte ein Mädchen. "Wenn mal wirklich etwas passiert, dann ist das schrecklich!"
Die Übeltäter, die in den Nonnenplatz einbogen, fuhren meist mit flottem Tempo in die Peinlichkeitsfalle. "Manche haben sich geärgert und manchen war es ziemlich unangenehm", erzählte Sedad, der schon einige selbstgemalte Strafzettel verteilt hatte. "An einem normalen Tag kommen hier in der Früh so an die vierzig Autos durch, vor allem, wenn das Wetter schlecht ist. Dann bringen viele Eltern ihre Kinder bis vor die Tür", sagte, Elternbeiratsvorsitzender Daniel Paluka. Er hofft, dass das peinliche Gefühl den Fahrern, die "nur" einen Kinderstrafzettel erhielten, eine Lehre sein wird. Schließlich stelle der verbotene Autoverkehr dort eine Gefährdung der Schulkinder dar.




Selbstgemalte Strafzettel: Die Kinder der Kreuzschule verteilten gemeinsam mit der Polizei Verwarnungen an die Autofahrer, die verbotenerweise den Nonnenplatz befuhren.
Foto: Lukesch

Die Polizei mit Dienststellenleiter Josef Schmid versprach, in Zukunft regelmäßig am Nonnenplatz zu kontrollieren. Dann wird es aber keine lustigen Strafzettel mehr geben, sondern echte. Und gezahlt werden muss dann auch.



So sahen die Warn-Strafzettel aus.
Die echten sind nicht so lustig.



DIE LAGE AM NONNENPLATZ

Situation: Der Platz ist per Schild als kombinierter Geh- und Radweg ausgewiesen. Er darf daher nur von Fußgängern und Radfahrern benutzt werden. Die Straße wird als "Wohnverkehrsstraße" bezeichnet.

Sondererlaubnis: Durch das Zusatzschild wird Ärzten, Taxis, Lieferanten und Handwerkern (die dort arbeiten) das Befahren erlaubt - mit Schrittgeschwindigkeit, also 6 bis 7 km/h.

Strafe: Wer beim Befahren erwischt wird, muss zehn Euro bezahlen.