Die Mittelbayerische Zeitung veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 14.07.16
den Beitrag zum Projekt "Zeitung in der Schule" der Klasse 4b


Am Lehrbienenstand im Norden von Regensburg erklärte Imker Rudolf Fischer den Schülern den Aufbau eines Bienenvolkes.
Foto: Eßer

Die Wunderwelt der Bienen entdecken

TIERE Für Honig leisten Bienen echte Schwerst- arbeit. Am Bienenlehrstand informierten sich Schüler über die nützlichen Insekten.

VON DER KLASSE 4B DER KREUZSCHULE REGENSBURG

REGENSBURG. Wir, die Schüler aus der Klasse 4b der Kreuzschule, sind echte Bienenfans. Schon an unserem Mai-Fest haben wir versucht, Mitschülern und Eltern die Geheimnisse der Bienen ein bisschen zu erklären.
Was Bienen leisten, darüber können wir Menschen nur staunen. Klar, wir kaufen Honig. Am besten beim Imker in der Region. Doch wer macht sich schon Gedanken, welchen "Stress" die Bienen auf sich nehmen müssen, damit wir am Frühstückstisch unser Honigbrot genießen können? Wir haben ein paar Infos über unsere fleißigen Freunde zusammengetragen:
Wussten Sie, dass der Anteil der Bienen an der Bestäubung und Befruchtung unserer Obst- bäumen bei etwa 85 Prozent liegt? Oder dass die Bienenkönigin ca. 2000 Eier pro Tag legt? Die älteste Biene, eingeschlossen in einem Bernstein, ist 50 Millionen Jahre alt. Und schon im Alten Ägypten um 4000 vor Christus erlebte die Imkerei eine Hochblüte. Die Pharaonen bekamen sogar Honig als Wegzehrung mit in die Pyramiden-Gräber. Ein Topf Honig war im Alten Ägypten so viel wert wie ein Rind oder ein Esel. Schließlich legen Bienen für ein Kilo Honig ja auch eine Strecke zurück, die das Siebenfache des Erdumfanges beträgt! Das gehört doch alles ins Guinnessbuch der Rekorde - oder?
Nun durften wir am 21. Juni Rudolf Fischer, einen Imker im Lehrbienenstand des Imkervereins Regensburg 1952 e.v. im Stadtnorden (bei Lappersdorf) besuchen. Endlich! Zweimal war unser Termin verschoben worden. Rudolf Fischer erklärte uns noch einmal den Aufbau eines Bienenvolkes. Wir konnten drei "Bienenwesen" im Schaukasten sehr gut beobachten.
Eine Biene wird mit einem besonderen Futtersaft von den Arbeiterinnen versorgt (Gelee royal). Dadurch wird sie zur Königin. Allerdings sieht ihr Leben nicht so "königlich" aus. Nur einmal kommt sie aus ihrem Stock heraus. "Begattungsflug" nennt man das dann. Viele Drohnen bemühen sich, die Königin zu begatten.
Drohnen, das sind die männlichen Bienen. Sie werden nur zur Fortpflanzung gebraucht. Wenn sie ihre Aufgabe erfüllt haben, werden sie einfach aus dem Bienenstock geworfen. Sie können sich nicht wehren, denn sie haben nicht einmal einen Stachel. Trauriges Schicksal - da geht es den Männern bei den Menschen bedeutend besser. Bienen lernen also ihre Väter nie kennen.


Arbeiterinnen und im Zentrum, die Bienen-Königin
Foto: Eßer

Die Arbeitsbienen - Zehntausende leben in ei- nem Stock - sind wirklich Schwerstarbeiterinnen. Nur 50 bis 60 Tage leben sie. Aber was sie während dieser Zeit leisten, das ist der Wahnsinn: Sie putzen die Zellen. Sie füttern die junge Brut. Sie schwitzen Wachs aus. Sie bauen kunstvolle Waben. Sie bewachen das Flugloch und verteidigen im Ernstfall den Stock. Sie fliegen aus, holen Wasser, Blütenstaub und Nektar herbei.
Können Bienen sprechen? Ja! Nicht so wie wir natürlich. Bienen haben ihre ganz eigene Sprache. Sie tanzen, um ihren Artgenossinnen Infor- mationen zukommen zu lassen. Durch den "Schwänzeltanz" zeigen die Bienen an, wo es was zu futtern gibt, wie weit die Futterquelle entfernt ist und wie viel Nektar dort auf die Bienen wartet.
Die Sonne ist eine wichtige Wegweiserin, ebenso die Figur der 8, die in verschiedenen Richtungen nachgetanzt wird. Ist die Futterquelle jedoch nur bis zu ca. 100 Meter entfernt, wird ein "Rundtanz" aufgeführt.
Auch in der Sage und in der Kunst sind Bienen zu finden. Der heilige Kirchenvater Ambrosius z.B. wird mit einem Bienenstock dargestellt. Seine Predigten sollen "süß wie Honig" gewesen sein. Die Menschen hingen an seinen Lippen. Da konnten nicht einmal die kleinen Engel widerstehen. In der bekannten Wallfahrtskirche Birnau, an der schwäbischen Barockstraße am Bodensee, stibitzt ein kleiner Engel etwas Honig aus der Wabe - ohne dass es der Heilige bemerkt.
Bienen - eine Wunderwelt! Doch sind unsere Bienenvölker heute sehr bedroht: durch Umweltgifte, einseitige Feldbebauung und Milben, die in unsere Region eingeführt wurden. Ohne Bienen gäbe es kaum noch Obst und Blumen. Deshalb: Schützt unsere Freunde, die Bienen.