Die Donau-Post berichtete in ihrer Ausgabe vom 16.03.18

Kampf der Milchschnitte

Baywa stellt Ernährungskompass vor -
Erlebnistag für die dritten Klassen der Kreuzschule


Von Thomas Hossfeld

REGENSBURG. Äpfel, Trauben und Bananen schnippeln, Fragespiele über Inhaltsstoffe von gesunden Lebensmitteln und Aufgaben zum selben Thema an verschiedenen Stati- onen - die Schüler der drei dritten Klassen der Kreuzschule haben am Donnerstag an einem Unterricht der ganz anderen Art teilgenommen. Die Baywa-Stiftung stellte ihr Lehr- und Aktionsbuch "Der Ernährungs- kompass" bei einem Erlebnistag zur gesun- den Ernährung vor. Statt der Lehrer erklärten "Ernährungshelden" wie Hotte Karotte, Elsa Eiweiß und Heidi Himbeere den Kindern, was Proteine, Fette, Kohlen- hydrate und Ballaststoffe sind - und wofür der Körper sie braucht.

In weiße T-Shirts gekleidet, die mit Obst- und Gemüseaufdrucken verziert sind, stehen und sitzen die Drittklässler der 3a in kleinen Gruppen um Tische in ihren Klassenzimmern herum, auf denen Fragebögen liegen, die sie spielerisch mit Antworten versehen sollen. Kurz zuvor haben sie gemeinsam mit Marina Schwenzer und ihrem Team erarbeitet, was in unseren Lebensmitteln steckt und wofür diese Inhaltsstoffe gut sind. Neben lustigen Bilder von Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln, die mit Magneten an den Tafeln befestigt wurden, haben die Kinder aufgeschrieben, was sie soeben gelernt hatten: Kartoffeln enthalten Kohlenhydrate, Obst vor allem Vitamine, Gemüse Ballaststoffe und Eier Eiweiß. Bei jedem Nährstoff geben die insgesamt sechs Baywa-Mitarbeiter Informationen, wozu er im Körper gut ist.

Obst schnippeln und Helden fangen
Einen Stock tiefer schnippeln die Kinder der 3c voller Begeisterung Äpfel, Bananen und Trauben in kleine Stücke. Zusammen mit Milch, Joghurt oder Quark wird es später ein gesundes Frühstücksmüsli für alle drei Kassen geben.
Währenddessen spielen die Kinder der 3b in einem anderen Raum das Fragespiel "Fang den Helden", bei dem sie ihr soeben erworbenes Ernährungswissen einbringen können, um die Fragen zu beantworten, die mittels eines drehbaren Pfeiles auf einer runden Scheibe ausgewählt werden.
Die ganze Aktion dient dazu, das Buch "Der Ernährungskompass" vorzustellen, das die Baywa-Stiftung unter dem Motto "Wissen trägt Früchte" zusammen mit Ernährungsmedizinern der TU München entwickelt hat. Unterstützt wird die Aktion vom Bayerischen Kultusministerium, das Buch, das in insgesamt rund 40000 Auflagen gedruckt worden ist, kann als Klassensatz für bayerische Grundschulen kostenlos bei der Stiftung bestellt werden.
"Wir haben schon 600 Anmeldungen für das Buch", berichtet Maria Thon, Geschäftsführerin der Stiftung. Derzeit ist sie auf der Auftakttour durch insgesamt sechs Grundschulen im Freistaat. Nach Augsburg und Nürnberg war nun Regensburg dran, im Anschluss geht es weiter nach Kempten, Deggendorf und München, so Thon. Ab Herbst besucht die Stiftung weitere Schulen, um die zweiten 20000 Bücher zu verteilen. Der Ernährungskompass ist Teil des Programms "Gemüse pflanzen. Gesundheit ernten" für Grundschulkinder.

In der Schulküche schnippeln Drittklässler Äpfel, Bananen und Trauben für das gesunde Frühstücks- müsli.
Foto: mox

Dieses gliedert sich in drei Module und fördert laut Thon Ernährungswissen durch ganzheitliches Lernen mit allen Sinnen: Im Schulgarten machen Kinder praktische Erfahrungen im Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen. Nach der Ernte verarbeiten sie die frischen Lebensmittel und beim gemeinsamen Kochen wecken Ernährungspäda- gogen Freude an frischem Obst und Gemüse, erläutert die Geschäftsführerin. Rund 40000 Kinder werden 2018 am Ernährungsprogramm der Baywa teilnehmen, an über 120 Schulen gärtnern Kinder im eigenen, von der Stiftung finanzierten Schulgarten.

Mangelernährung erzeugt Leistungsschwäche
Dass das Wissen um unsere Nahrung von grundlegender Bedeutung für die Gesundheit der Kinder und späteren Erwachsenen ist, zeigen alarmierende Fakten, berichtete Thon. So habe sich die Zahl der übergewichtigen Kinder in den letzten 30 Jahren um 50 Prozent erhöht, die der Kinder mit Adipositas (Fettsucht) sogar ver- doppelt. Nur zwölf Prozent der Mädchen und neun Prozent der Jungen essen die empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag, habe eine Studie des Robert-Koch-Instituts gezeigt. Etwa ein Drittel der 6- bis 14-Jährigen in Deutschland frühstücke nicht und nur jeder zweite Schüler habe ein Pausenbrot dabei. Fehl- und Mangelernährung seien mögliche Ursachen von Konzentrationsmangel, Müdigkeit und Leistungs- schwäche in der Schule. "Bildung ist ein maßgebender Faktor, hier setzt die Baywa-Stiftung an", sagte Thon.
Vergangenes Jahr hat die Stiftung eine Wirkungsmessung an der TU München in Auftrag gegeben. Man wollte herausfinden, welchen Effekt das Ernährungsprogramm habe. "Die Er- gebnisse liegen aktuell vor", so die Geschäfts- führerin. Demnach habe sich das Ernährungs- wissen Obst und Gemüse um 16 Prozent erhöht, das Ernährungsverhalten habe sich im Vergleich mit der Referenzschule beinahe um das Doppelte verbessert. "27 Prozent der Schüler haben neue Obst- und Gemüsesorten probiert und 22 Prozent essen jetzt Sorten, die sie vorher nicht kannten oder mochten", sagte Thon stolz. Zudem hätten sich die befragten Lehrer positiv hinsichtlich der Sozialentwicklung und der Zusammenarbeit der Kinder geäußert. Dass das zutrifft, konnte man an diesem Donnerstag in der Kreuzschule beim Rätseln, Schnippeln und Spielen beobachten.