Die Mittelbayerische Zeitung veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 19.07.16
den Beitrag zum Projekt "Zeitung in der Schule" der Klasse 4c


Die Klasse 4c mit dem Ensemble "Der kleinen Hexe"
Foto: Klasse 4c

Angehende Schauspieler müssen viel lernen

BERUF An der ADK stehen viele Fächer auf dem Stundenplan - von Stimmbildung bis Fechten. Erfahrungen sammeln die jungen Schauspieler im Akademietheater.

VON DER KLASSE 4C DER KREUZSCHULE REGENSBURG

REGENSBURG. Einen spannenden Vormittag ver- brachte die Klasse 4c der Kreuzschule hinter den Kulissen des Akademietheaters, das in der Nähe des Stadtzentrums gelegen ist. Es ist nicht nur ein Theater, sondern auch eine Schule: die Akademie für Darstellende Kunst (ADK) Bayern. Es dient der Ausbildung von Schauspielern, Theater- pädagogen und Regisseuren und beim Theater- spielen wird die Praxis geübt. Im Inneren des Theaters findet man deshalb neben der Bühne und dem Büro auch Klassenzimmer, Probenräume und natürlich die Räume für die Aufbewahrung der Kostüme und Requisiten. Viele spannende Fragen hatten die Schüler auf ihren Spickzetteln vorbereitet, die von der Schulleiterin Meike Fabian und ihren Mitarbeitern geduldig beant- wortet wurden.
Intensiv hatten die Schüler sich auf den Besuch vorbereitet und kamen mit Fragen und Dik- tiergerät bewaffnet zum Interview. Dort waren sie allerdings überrascht, dass am Akademietheater doch viel improvisiert werden muss, denn viele Aufgaben, für die eigentlich eine lange Ausbildung notwendig wäre, müssen hier die Schauspiel- schüler selbst bewältigen.

228 Knöpfe auf dem Technikerpult
Für manche Theater-Berufe dauert die Aus- bildung lang, z.B. muss man um Maskenbildner zu werden erst drei Jahre lang Friseur lernen und dann noch mal drei Jahre lang den eigentlichen Beruf des Maskenbildners. Grundsätzlich ent- scheidet der Regisseur wie die Darsteller ge- schminkt werden und der Maskenbildner führt es aus. Die Schüler im Akademietheater schminken sich selbst. Braucht ein Darsteller eine andere Haarpracht, setzt er sich eine Perücke auf. Damit es echt wirkt, besteht sie oft aus echten Haaren, die gespendet wurden.
Soll der Darsteller eine Glatze haben und sich aber nicht von seinen Haaren trennen wollen, gibt es eine Glatzenperücke. Die eigenen Haare werden hochgesteckt und eine Haube wird draufgesetzt, die an den Ohren festgeklebt wird. Der Übergang wird mit einem Make-up-Stift in der jeweiligen Hautfarbe kaschiert. Es gibt zu jeder Hautfarbe auf der Welt den passenden Make-up-Stift.
Beim Theater sieht alles ganz einfach aus. Aber wer steckt hinter den tollen Effekten? Zunächst einmal die Technik: Der Techniker ist für mehrere Dinge verantwortlich, wie zum Beispiel Ton und Bühnenlicht. Sein Arbeitsplatz besteht haupt- sächlich aus dem Technikpult und liegt im Akademietheater oberhalb der Bühne, damit er alles gut sehen kann. Konzentration ist bei diesem Job sehr wichtig, weil man viele Dinge gleichzeitig zu erledigen hat. Das Licht muss auf ein Stichwort an- oder ausgehen, ein akustisches Signal muss auf eine bestimmte Geste folgen, der Vorhang zum richtigen Zeitpunkt auf- oder zugehen, die
Nebelmaschine eingeschaltet werden. Auf dem Technikpult gibt es 228 Knöpfe und einen Computer. Da könnte sich der Techniker leicht verdrücken, wenn er nicht aufpasst oder vergisst ins Textbuch zu gucken. Natürlich passieren auch Fehler, aber wenn er Glück hat, merkt es keiner. Das ist das Schöne an diesem Beruf.
Die Bühne ist der Ort des Künstlers. In der Akademie gibt es nur eine kleine Bühne ohne viel Technik, wie z.B. Drehbühnen, Unterbühne, Zugstangen oder Seitenbühnen, die in großen Theatern zum Einsatz kommen. Das Bühnenbild soll einen Ort darstellen, es soll keine leere Bühne sein. Fantastische oder realistische Bilder können entworfen werden. Der Bühnenbildner trifft sich mit dem Regisseur und bespricht mit ihm, in welcher Welt das Stück spielen soll. Als Hilfe dienen gebastelte Modelle oder Entwürfe zur Vorstellung des geplanten Bühnenbildes. Wenn man für eine kleine Bühne mit einfacher Technik ein Bühnenbild entwirft und baut, sind zwei Fragen wichtig. Wie verwandle ich auf einfache Art und Weise die Räume und wie können die Schauspieler selbst etwas auf der Bühne verändern?
Um Schauspieler zu werden, muss man vier Jahre lang an der Akademie für Darstellende Kunst studieren, Theaterstücke spielen und eine Abschlussprüfung absolvieren. Auf dem Stunden- plan stehen Fächer wie z.B. Gesang, Theorie, Stimmbildung, Methodenlehre, chorischer Ge- sang, Dramaturgie, Improvisation, Einzel-Spre- chen, Dialektschauspiel, Fechten oder Rolle. Zur Zeit studieren vierzig bis sechzig Studenten an der Akademie.

"Der Beruf ist sehr vielseitig"
Die Theaterpädagogen Marie und Ionas geben im lnterview preis: "Wenn man Lampenfieber hat, sollte man sich leise beschäftigen und sich ablenken!" Trotz aller Proben und Vorbereitung geht nicht immer alles glatt. "Am meisten Spaß macht, dass der Beruf des Schauspielers so vielseitig ist, denn hier kann schon mal eine Hose reißen." Im Ensemble zählt das Miteinander. Der Wunsch von Marie, eine lustige Fee zu spielen, ging aber trotzdem in Erfüllung im Stück "Wachgeküsst".
Nach einer Führung durch die Räume des Theaters und dem Interview mit den Theater- pädagogikstudenten kam die Klasse 4c in den Genuss, ein paar Szenen aus der Wieder- aufnahme des Stücks "Die kleine Hexe" live zu sehen. Zum Schluss erschnupperten sich die wissbegierigen Reporter die Welt des Schauspiels durch Aufwärmübungen wie das Klatschspiel, Bewegungsübungen und Ching-Chang-Chong.
Die Akademie wird von zwei Direktoren geleitet. Die Direktoren, Lehrer, Pädagogen und Schüler freuen sich schon darauf, voraussichtlich in einem Jahr die neuen Räume der ehemaligen Musikschule beziehen zu können, damit sie endlich viel Platz haben, Dann ist sie gleich in der Nachbarschaft der Kreuzschule und die Schüler der jetzigen 4c werden sie begeistert besuchen.

Infos: www.adk-bayern.com